Montag, 17. Februar 2014

Mach deine Leidenschaft zum Beruf & du musst nie wieder arbeiten!

Nun ist es genau eine Woche her seit ich aus Hamburg zurück bin. Mittlerweile bin ich auch schon geistig vollständig hier wieder angekommen. Kennt ihr das? Wenn man eine Zeit lang irgendwo anders war, wo man sich so sehr zu Hause gefühlt hat, dass man eigentlich gar nicht mehr nach Hause möchte & wenn dann die Zeit gekommen ist um zu gehen, zerreist es das Herz. Wenn man dann endlich wieder daheim ist, dann weiß man zwar, dass man jetzt körperlich wieder da ist aber geistig ist man immer noch nicht angekommen. Es hat so 4 oder 5 Tage gedauert bis ich auch endlich geistig hier angekommen bin.
Ich habe mich noch nie irgendwo wohler gefühlt & war so mit Herz & Seele dabei. Es ist erstaunlich was ein Wochenende alles im Kopf eines Menschen verändern kann. Ich weiß gar nicht mehr wann ich davor das letzte Mal so glücklich war. 
Wenn ich jetzt daran denke, wie aufgeregt ich war als wir dahin gefahren sind, muss ich heute schmunzeln. Mein Freund musste mich die ganze Zeit während der Autofahrt beruhigen & als wir da ankamen, hätte ich beinahe losgeheult. Ich habe am ganzen Körper gezittert & wollte auf keinen Fall in die Stage School rein. Die Angst vor so vielen, mir völlig fremden Menschen, packte mich plötzlich als ich da vor der Tür stand. Die Befürchtung, die schlechteste von allen dort zu sein & mich zu blamieren war zu groß. Jedoch ab dem Augenblick als ich meinen Fuß ängstlich über die Türschwelle gesetzt habe, hat die Magie begonnen. Es klingt jetzt völlig bescheuert für euch, aber wie soll man so etwas anders beschreiben ?!
Ich ging da mit offenem Mund den Flur entlang, völlig benommen von der Atmosphäre um mich herum. 
So erging mir das jeden Morgen, als ich da rein ging, die Treppen hoch stieg, zu meinem Schließfach & dann zu den Umkleideräumen ging. Bis ich da ankam bin ich auf dem Weg dorthin schon mindestens 100 Menschen begegnet, die mich alle nett grüßten & mir zulächelten. Menschen vor denen ich davor so eine große Angst hatte & die ich mir alle als perfekte Profis vorgestellt hatte. Genau diese Menschen, hatten genauso viel Angst wie ich & baten mich sogar manchmal ihnen zu helfen. Bereits an meinem ersten Tag an der Stage School habe ich gelernt, dass es dort gewiss niemanden gibt, der alles perfekt kann. Wir hatten ein paar wirklich super Tänzer, denen aber das Singen etwas schwer fiel. Oder Leute mit wunderschönen Stimmen, die sich beim Tanzen eher etwas durchkämpfen mussten. Einigen ist es etwas schwer gefallen am Anfang beim Schauspielern aus sich raus zu kommen. Ich habe auch sofort am ersten Tag als ich zum ersten Mal all die anderen Teilnehmer sah gemerkt, dass jeder von ihnen so aufgeregt & ängstlich war wie ich. Jeder von ihnen hatte auch Zweifel. Wir haben uns alle gegenseitig Mut zugeredet, uns später gegenseitig geholfen & getröstet, wenn es bei jemandem mal nicht so geklappt hat, wie er es gerne wollte. 
Es wurden nicht nur Freundschaften geschlossen, sondern man wuchs in den Tagen zu einer Familie zusammen.
Es war ein Ort voller Liebe & Wärme, an dem nicht eine Minute Platz für Neid & Missgunst war. Man hat sich über jede gute Leistung gefreut & jedem einzelnen den Erfolg gegönnt. Wie kann man es so super lieben Menschen nicht gönnen, wenn man auch noch hautnah erlebt, wie jeder einzelne von ihnen täglich darum kämpft, genauso wie man selbst auch ?! Ich wusste ganz genau, dass sie es mir genauso gönnen.
Außerdem hat ein einzelner ohnehin kaum gezählt. Es war echte Teamarbeit. Man war nur so stark, wie der schwächste Mitglied der gesamten Gruppe. Und es ist ein so tolles Gefühl. 
Wir waren insgesamt 28 Leute. Alle unterschiedlich alt & aus den unterschiedlichsten Orten Deutschlands. Alle sahen unterschiedlich aus & hatten die unterschiedlichsten Werdegänge bzw. Schulbildungen. Eines hatten wir alle gemeinsam- alle hatten den gleichen Traum. Wir alle reisen von Ort zu Ort & quälen uns durch irgendwelche Worshops & Castings durch, mit der Hoffnung mit Musik oder Schauspielerei später unser Geld zu verdienen. Wir alle haben uns beim Tanzen beinahe bis zum Erbrechen quälen lassen & sind jeden Morgen da mit gewaltigem Muskelkater & einem breiten Grinsen erschienen. 
Am dritten Tag war ich so fertig. Als ich wach wurde, kam ich alleine kaum aus dem Bett raus. Ich habe mich versucht hinzustellen, doch meine Beine konnten mich nicht halten & ich bin sofort zu Boden gesackt. Ich musste mich am Kleiderschrank abstützen um wieder hoch zu kommen & hätte am liebsten von Schmerzen laut schreien können. Doch meine einzigen Gedanken in dem Augenblick waren: "Jetzt keine Minute unnötig verschwenden. Ganz schnell frühstücken & dann nichts wie wieder zur Stage School!"
Man könnte das jetzt als "krank" bezeichnen. Aber trotz der Schmerzen, konnte ich an nichts anderes denken & selbst wenn meine Beine völlig versagt hätten, würde ich trotzdem dahin kriechen. Ich konnte es morgens kaum erwarten, dort wieder hin zu fahren. Ich konnte mir keinen schöneren Ort auf der Welt vorstellen. 
Am allerletzten Tag waren wir alle todtraurig. Wir haben uns nach unserem Auftritt ewig voneinander verabschiedet, uns umarmt, uns gegenseitig viel Glück gewünscht & Handynummern wurden ausgetauscht. Es war alles sehr emotional. Als ich dann neben meinem Freund im Auto saß & wir beide bereits auf dem Heimweg waren, kamen mir ein paar Tränen. Ich habe ewig still aus dem Autofenster gestarrt & Gott angefleht, die Zeit zurück drehen zu können. Ich wollte da auf keinen Fall weg! Um nichts auf der Welt wollte ich da weg & wieder zurück in meinen langweiligen Alltag. Wieder ganz gewöhnlich zur Schule gehen & täglich wieder von Menschen umgeben sein, für die ich ein niemand bin. 
Dort hatte ich das Gefühl etwas besonderes zu sein & fand es genauso toll meine Zeit mit all den anderen so besonderen Menschen verbringen zu dürfen. Dort konnte ich offen über meinen Traum reden & wurde von niemandem ausgelacht. Dort wurde ich zum ersten Mal im Leben so richtig gesehen & wahrgenommen. Ich war nicht mehr Fehl am Platz. Ich hatte zum ersten Mal so richtig das Gefühl dazu zu gehören & gut in einer Sache zu sein. Ich hatte das Gefühl von jemandem gebraucht zu werden. Ich hatte endlich das Gefühl zur richtigen Zeit & am richtigen Ort zu sein.
Ich will da unbedingt zurück! Am liebsten jetzt sofort !!!
Ich will wieder jeden Tag ganz früh aufstehen & zur Stage School fahren, dort auf dem Gang schon die ganzen lustig gekleideten Tänzer um mich herumschwirren sehen. Überall Chaos, egal wo das Auge hinblickt. Sporttaschen, Handtücher, lustige Bühnenrequisiten & tausende von Notenblätter überall zerstreut auf dem Boden herum liegen sehen. Dort guckt keiner jemanden doof an & lästert über sein Outfit oder ähnliches. Es ist ein Ort voller Verrücktheit. Da lief in den Mittagspausen sogar öfter ein riesiger Schäferhund rum & wurde liebevoll von jedem einzelnen gestreichelt. Und verdammt, ich hatte keine Ahnung wo der her kam. Wenn du dort bist, hörst du schnell auf erstaunt zu sein. Dort ist einfach alles völlig verrückt!
In allen Gängen ist Leben pur. Der eine sitzt gerade auf dem Boden in der Ecke & singt sich ein, während ein paar andere Mädels am Fenster stehen & ihre Pirouetten üben. Ständig dieser laute Lärm, von dem ich zum Abend hin tierische Kopfschmerzen bekam. Diese wunderschöne große Bühne, auf der wir an unserem letzten Tag an der Schule unseren Auftritt hatten. Die vollen Ränge mit Zuschauern zu sehen, alle Blicke auf dich gerichtet, das Scheinwerferlicht über dem eigenen Kopf & der Applaus. Alles Gänsehaut pur! Alles unbeschreiblich. Das Gefühl nicht mehr man selbst zu sein. Nicht mehr das schüchterne, ängstliche Mädchen ohne Selbstbewusstsein- sondern eine starke Frau, die durch die Bühne hüpft, laut schreit & eine sehr arrogante Frau spielt. 
Schauspielerei ist etwas ganz besonderes. Eine Sache werde ich nie vergessen, die uns unsere Lehrerin beim Schauspielunterricht gesagt hat: "Wir alle lassen unser wahres Ich hinter den Kulissen & gehen völlig nackt auf die Bühne, wo wir uns dann ein Kleid überwerfen, der uns zu einer bestimmten Person macht, die wir dem Publikum zeigen. Das was wir dann da tun, das sind nicht wir- sondern unser Kleid tut es mit uns. Wir müssen es einfach geschehen lassen."
Und es ist wunderschön so viele verschiedene "Kleider" tragen zu dürfen. Ein Schauspieler ist eben nicht nur Schauspieler. Im Grunde kann er ein Arzt, ein Pilot, ein Feuerwehrmann, ein Professor, ein Koch oder ein König sein. Er kann ein strebsamer Student, ein exzentrischer Choleriker, eine penible & putzsüchtige Frau, ein Alkoholiker oder ein eifersüchtiger Ehemann sein. Das eigene Leben ist so kurz. Ein Schauspieler kann jedoch so viele verschiedene Leben leben. Zwar nur ganz kurz aber dafür sehr intensiv. Ein Schauspieler gibt uns eine Illusion, auf der Bühne. Er lässt uns die Geschichte durch seine eigenen Augen sehen. Es ist unbeschreiblich. Es ist die schönste Sache die es auf der Welt gibt. 
Ich bekomme nicht genug davon. Ich brauche das alles wie die Luft zum Atmen. Diese Unordnung, diesen Lärm, all diese verrückten Künstler um mich rum, wo jeder von denen einzigartig auf seine Art & Weise ist, diese wunderschöne große Bühne & das Chaos hinter den Kulissen. (Ihr irrt euch gewaltig, wenn ihr denkt auf der Bühne würde es abgehen. Die richtige Show findet hinter den Kulissen statt! Es ist einfach nur super lustig da :D ) Sogar die Luft dort ist anders. Ich vermisse diese stickige, nach Schweiß & Müsliriegeln riechende Luft. Ich wünschte ich könnte sie jeden Tag einatmen. Das alles will ich jeden Tag um mich herum haben. Und abends will ich wieder total erschöpft, mit Kopfschmerzen & Muskelkater aber überglücklich nach Hause kriechen. :)
Es hat sich keinen einzigen Tag wie Arbeit angefühlt. So muss sich wohl ein Traumberuf anfühlen. Ich würde das mein Leben lang machen wollen, völlig ohne Bezahlung.
Ich bin überglücklich, dass ich jetzt endlich meinen Platz in der Welt gefunden habe.

Kommentare:

  1. Hört sich nach einer tollen Erfahrung an. Es ist wirklich schön, wenn es etwas gibt was einen so glücklich machzt. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg :)

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    1. Danke sehr! Es ist sehr lieb von dir! :)
      Ja es war eine der schönsten Erfahrungen, die ich bisher in meinem Leben machen durfte. ;)

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